Wissenswertes


Zeitung: VDI nachrichten (Verein Deutscher Ingenieure), 31. März 2006; mit leichten Änderungen auch in: Die Welt, 17. Mai 2006

Tierversuche sind nie ganz authentisch

Die Autorin nimmt den jüngsten Medikamentenskandal, bei dem sechs Probanden nach Einnahme eines neuen Medikamentes schwerste Organschäden erlitten, zum Anlass, die Entwicklung von Medikamenten unter die Lupe zu nehmen. Die Tierversuchsphase ist dabei für die Pharmafirmen besonders risikoreich, denn was beim Tier funktioniert, klappt beim Menschen noch lange nicht. So ist es zu verstehen, dass im Schnitt nur jeder 50. Tierversuch mit neuen Medikamenten in der klinischen Phase, d.h. am Menschen weiterverfolgt wird.

Susan Greenfield von der Universität Oxford sieht das Problem auch in der Genforschung, mit der man heute glaubt, alles heilen zu können. »... genetisch maßgeschneiderte Tiermodelle scheinen gerade bei Erkrankungen mit komplexer Ursache wenig geeignet«, wird die leitende Pharmakologin zitiert. Ein klarer Fall für komplexe Ursachen ist Krebs. Rund 70 Prozent aller Krebserkrankungen werden durch den Lebensstil, vor allem Ernährung, Alkohol und Stress, verursacht. Die Vielfalt der Ursachen und deren Wechselwirkungen lassen sich im »Tiermodell« nicht nachahmen.

Als Lösung werden so genannte Biodatenbanken vorgeschlagen, bei denen medizinische Daten menschlicher Patienten mit ihrem Lebensstil verglichen werden, um Krankheitsursachen auf die Spur zu kommen.

Quelle: Ärzte gegen Tierversuche

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